Fabian Rook

New Brighton

Worse Things Happen at Sea

Das englische Seebad steht in einer langen Tradition, die sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Doch vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden entlang der britischen Küste etliche “Seaside-Resorts”, die anfangs als Ausflugsziel für die oberen Gesellschaftsschichten und später auch für die arbeitende Klasse aus den englischen Industriezentren dienten. Mit zunehmender Mobilität und dadurch steigenden Besucherzahlen wuchsen diese Orte und ihre Attraktionen. Das pure Erleben des Meeres und der Natur jedoch, stand in den großen britischen Seebädern nie alleine im Zentrum des touristischen Interesses. Vielmehr dreht sich hier vieles um Erlebnisse und schnelle Zerstreuung in Pubs, Kasinos, Freizeitparks und sonstigen Amüsierbetrieben.

Doch dass die Blütezeit der Seebäder unter anderem mit dem Aufkommen erschwinglicher Fernreisen in den 1960er Jahren langsam zu Ende ging, sieht man der Architektur und der Erscheinung vieler dieser Städte an.

Mein Interesse an diesen Orten geht dabei nicht zuletzt zurück auf Martin Parrs „Last Resort". Seine Arbeit entstand während der 1980er Jahre im nordwest englischen New-Brighton in unmittelbarer nähe zu Liverpool. Er fotografierte dabei den teils grotesk wirkenden Urlauberalltag der nordenglischen „working-class“ während der Thatcher-Ära. Im Vordergrund stehen dabei die Menschen selbst. Der Ort dient als Bühne für ihre Handlungen und Interaktionen, steht also im Hintergrund.

Für mich stellte sich die Frage was es mit den Orten auf sich hat, die als Schauplatz solcher Szenen dienen, welche Struktur ihnen zu eigen ist und wie es heutzutage um sie steht. Der Mensch tritt bei meiner Arbeit also zurück und wird so zum Statisten vor einer von ihm selbst inszenierten Freizeitkulisse. Er ist so, wenn auch nicht immer sichtbar, stets Teil des Bildes. Als Statist und Regisseur.

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